The Mushroom and the Cloud
The World That Uranium Built
Chapter Wismut
Egon Eiermann Stipendium 2024/25
Oxana Gourinovitch
24. September – 12. Oktober 2025
Foyer HIL E 3, ETH Zürich, Hönggerberg
Eröffnung: 23. September, 18 Uhr
“Nature does not know extinction; all it knows is transformation.”
— Werner von Braun, zitiert in Thomas Pynchon, Gravity’s Rainbow, 1973
Zu Beginn des Kalten Krieges entdeckten sowjetische Geolog:innen, die mit der Roten Armee in die besetzten deutschen Gebiete kamen, abbauwürdige Uranvorkommen, sogenannte „Pechblende“, in den alten Silberminen des Erzgebirges. Diese Entdeckung verschaffte der Sowjetunion Zugang zu dem radioaktiven Material, das sie für die Entwicklung eines eigenen Atomwaffenarsenals benötigte. Die erste sowjetische Atombombe, gemacht mit deutschem Uran, wurde 1949 erfolgreich getestet. Dies ebnete den Weg für das nukleare Wettrüsten und markierte den Beginn des Atomzeitalters.
Die Präsenz dieses strategischen Rohstoffs verwandelte die sowjetisch besetzten Regionen Sachsens und Thüringens in Orte intensiven Abbaus, betrieben durch das sowjetisch-deutsche Uranbergbauunternehmen Wismut. Bald wurde die neu gegründete Deutsche Demokratische Republik (DDR) zum Hauptlieferanten von Uran für das sowjetische Atomprogramm und zu einem der weltweit führenden Produzenten von Uranerz.
Der sowjetische nukleare Extraktivismus in der DDR spiegelte globale Muster räumlicher Umgestaltung wider, wie sie weltweit durch industriellen Extraktivismus verursacht wurden. Grösse, Tempo und Intensität dieser Umwälzungen wurden häufig durch strategische Anforderungen des sowjetischen militärisch-industriellen Komplexes verstärkt. Die räumlichen Strukturen von Wismut waren geprägt von den ideologischen Imperativen des Kalten Krieges und der Beschaffenheit des radioaktiven Materials, während sie zugleich lokale Besonderheiten widerspiegelten.
Anhand des Beispiels des sowjetisch-deutschen Uranbergbauunternehmens Wismut untersucht die Ausstellung The Mushroom and the Cloud, wie nuklearer Extraktivismus das räumliche Denken und Handeln im 20. Jahrhundert geprägt hat. Sie lädt dazu ein, gemeinsam zu erforschen, wie sich diese Entwicklungen – als Teil einer grösseren nuklearen Konstellation – zu den politischen Konfrontationen des Kalten Krieges verhielten und diese letztlich überschritten.
Archive
Bergarchiv Freiberg; Landesarchiv Thüringen – Staatsarchiv Rudolstadt; Archiv vom Landesamt für Umwelt; Landwirtschaft und Geologie Freistaat Sachsen; Museum Uranbergbau Bad Schlema; Archiv des Thüringer Landesamts für Umwelt, Bergbau und Naturschutz; Library and Archives Canada; U.S. Geological Survey Library; Das Bundesarchiv Deutschland; Kreisarchiv Erzgebirgkreis Dienststelle Aue; Archiv des Sächsischen Oberbergamts; Stadtarchiv Gera; Privatarchiv Jens Kugler; Privatarchiv Frank und Harald Teller; Collection Canadian Centre for Architecture; Environmental Science and Public Policy Archives of the Harvard Library; gta Archiv der ETH Zürich
Fotografische Arbeiten von
Susanne Kriemann, Michael Beleites, Reinder Wijnveld, Robert Del Tredici, Arwed Messmer
Grafikdesign der Ausstellung
Lamm & Kirch mit Jonathan Körner
Hilfe und Beratung von
Achim Drescher, Achim Hatzius, Adam Przywara, Alex Winiger, Alexander Komarov, Andres Kurg, Anja Richter, Anna-Maria Meister, Andreas Kalpakci, Andrea Dutto, Angela Kugler-Kießling, Anke Hagemann, Arndt Wagner, Arkadij Koscheew, Arwed Messmer, Astrid Mignon Kirchhof, Barbara Bitterli, Carlina Rossée, Cathelijne Nuijsink, Christian Tanke, Christiane Metzner, David Bauer, Elisabet Jönsson Steiner, Eva Tschopp, Falk Seliger, Felix Ackermann, Florian Lamm, Florian Szillat, Frank Vollert, Frederike Lausch, Fredi Fischli, Gabi Dolff-Bonekämper, Giovanna Borasi, Giulia Boller, Grit Ruhland, Harald Teller, Hermann Meinel, Ilona Krahmer, Irin Bailey, Ivana Milenkovic, Ives Cornish, Ksenia Litvinenko, Jason Bailey, Jean Souviron, Jens Löffler, Jens Kugler, Johannes Braun, Joe Bogner, Jonathan Körner, Juliane Haase, Juliane Tomann, Julie Gayard, Julian Volken, Jungyoon Kim, Katarina Ritter, Karin Buerkert, Katja Stopka, Laurent Stalder, Lauro Nächt, Liliana Iuga, Linda Stagni, Lu Di, Ludovicus Groen, Maarten Delbeke, Maria Buko, Maria Dębińska, Martina Walther, Matthew Critchley, Maximilian Lau, Melinda Bieri, Michael Beleites, Michael Karpenkiel, Mina Hava, Miranda Robbins, Niels Olsen, Noelle Paulson, Paul Gayard, Philip Ursprung, Phyllis Lambert, Radu-Remus Makovei, Rafico Ruiz, Regine Butscher, Reinder Wijnveld, Reto Geiser, René Scheer, Sebastiaan Loosen, Susanne Kriemann, Toby Cornish, Tom Avermate, Tomomi Miyata, Ula Hramovich, Usch Schröter, Uta Ihlow, Uwe Grandke, Vendula Hnidkova, Waltraud Betsche, Wolfgang Kil, Yoshiharu Tsukamoto
In Zusammenarbeit mit dem gta Institut, dem gta Archiv und gta Ausstellungen der ETH Zürich
Diese Ausstellung konnte dank dem Artist-in-Residence-Programm realisiert werden, das durch die grosszügige Unterstützung der Thomas und Doris Ammann Stiftung ermöglicht wurde.